Hartpapier HP 2061 (Pertinax, PF CP 201) – Datenblatt, Anwendungen und Grenzen
Es gibt Werkstoffe, die jeder kennt und die trotzdem kaum jemand beim richtigen Namen nennt. Hartpapier HP 2061 ist so ein Fall. In der Werkstatt heißt es „Pertinax“, im Einkauf „PF CP 201“, auf dem alten Zeichnungskopf steht „HP 2061“ und der amerikanische Lieferant schreibt „NEMA X“. Gemeint ist jedes Mal dieselbe braune Platte.
Dieser Artikel ist als Nachschlagewerk gedacht: alle Kennwerte aus unserem Datenblatt in einer Tabelle, die Zuordnung der Bezeichnungen, die typischen Einsatzfälle – und vor allem die Grenzen. Denn Hartpapier wird regelmäßig dort verbaut, wo es nichts zu suchen hat, und der Grund ist fast immer derselbe: Feuchtigkeit.
Was Hartpapier HP 2061 eigentlich ist
Hartpapier ist ein Schichtpressstoff. Bahnen aus Zellulosepapier werden mit Phenolharz getränkt, gestapelt und unter Wärme und hohem Druck zu einer massiven Platte verpresst. Daher der englische Name phenolic paper laminate und die häufige Suchanfrage „Phenol Hartpapier“ – beides meint dasselbe.
Das Ergebnis ist ein Werkstoff, der sich mechanisch eher wie ein sehr dichtes Hartholz verhält als wie ein Kunststoff: Er ist steif und formstabil, lässt sich sauber sägen, bohren und drehen, und er isoliert elektrisch zuverlässig. Bei einer Dichte von 1,4 g/cm³ wiegt eine Platte deutlich weniger als eine gleich dicke G10-Platte mit 1,9 g/cm³ – ein Punkt, der bei großen Abdeckungen und Trennwänden durchaus zählt.
HP 2061 ist die Standardtype für den elektrisch isolierenden und zugleich konstruktiven Einsatz. Sie ist die einfachste und wirtschaftlichste Type in unserem Programm und für trockene Anwendungen bis 120 °C in aller Regel die richtige Wahl.
Warum sagen alle „Pertinax“?
Pertinax war nie eine Werkstoffbezeichnung, sondern ein geschützter Handelsname. Er stand für das Hartpapier eines bestimmten Herstellers und war jahrzehntelang so präsent, dass er auf die ganze Gattung übergegangen ist – genau wie „Tempo“ für Papiertaschentücher oder „Flex“ für den Winkelschleifer. Wer heute Pertinaxplatten bestellt, meint in aller Regel schlicht Hartpapier nach PF CP 201.
Pertinax war dabei nicht allein. Im deutschsprachigen Raum liefen dieselben oder sehr ähnliche Hartpapiere über Jahrzehnte auch unter den Handelsnamen Turbonit, Carta, Wahnerit, Repelit, Haefelyt, Preßzell und Krüpax. Wer alte Anlagen instand setzt, alte Stücklisten liest oder Schaltschränke aus den 1950er- bis 1980er-Jahren öffnet, stößt fast zwangsläufig auf einen dieser Namen.
Die Bezeichnungen im Überblick
Dieselbe Platte läuft in vier Normenwelten unter drei verschiedenen Kürzeln, dazu kommen die historischen Handelsnamen. Das ist der häufigste Grund für Rückfragen bei Bestellungen:
| Normensystem | Bezeichnung |
|---|---|
| DIN EN 60893 | PF CP 201 |
| IEC 60893 | PF CP 201 |
| DIN 7735 (alt, deutsch) | HP 2061 |
| NEMA (USA) | X / XP |
| Handelsnamen (historisch) | Pertinax, Turbonit, Carta, Wahnerit, Repelit, Haefelyt, Preßzell, Krüpax |
Das Kürzel PF CP liest sich systematisch: PF steht für Phenolharz (phenol formaldehyde), CP für Zellulosepapier (cellulose paper). Analog dazu bedeutet PF CC Phenolharz mit Baumwollgewebe – das ist Hartgewebe HGW 2082 – und EP GC Epoxidharz mit Glasgewebe, also G10 und G11.
Datenblatt HP 2061 – die vollständigen Kennwerte
Alle Werte stammen aus unserem Datenblatt für Hartpapier PF CP 201. Kennwerte, die wir nicht prüfen lassen und deshalb nicht ausweisen, fehlen hier bewusst – wir tragen keine Zahlen aus fremden Quellen nach.
| Kennwert | Wert |
|---|---|
| Verstärkung | Papier (Zellulose) |
| Harz | Phenolharz |
| Verwendung | elektrisch isolierend, konstruktiv |
| Biegefestigkeit senkrecht zu den Schichten (20 °C) | 135 MPa |
| Biege-Elastizitätsmodul | 7 × 10³ MPa |
| Zugfestigkeit | 120 MPa |
| Druckfestigkeit senkrecht zu den Schichten | 300 MPa |
| Scherfestigkeit parallel zu den Schichten | 10 MPa |
| Druckfestigkeit parallel zu den Schichten (PN-83/C-89031) | 100 MPa |
| Kriechstromfestigkeit CTI | 100 |
| Prüfspannung 1 min in Öl 90 °C, senkrecht (PN-86/E-04404) | 10 kV / 3 mm |
| Prüfspannung 1 min in Öl 90 °C, parallel | 10 kV |
| Dichte | 1,4 g/cm³ |
| Temperaturindex TI | 120 °C |
| Wasseraufnahme (Probe 3 mm) | 550 mg |
Durchschlagspannung und dielektrischen Verlustfaktor tan δ weisen wir für HP 2061 nicht aus. Wenn Ihre Anwendung diese beiden Werte zwingend braucht – etwa bei einer Auslegung nach Prüfvorschrift –, spricht das dafür, gleich zu Glashartgewebe G10 zu greifen, für das wir beides belegen können.
Wo HP 2061 in der Praxis steckt
Hartpapier ist der klassische Werkstoff überall dort, wo eine Isolierung gleichzeitig eine tragende oder abgrenzende Funktion übernimmt und die Umgebung trocken bleibt.
Der gemeinsame Nenner: Innenraum, trockene Luft, Dauertemperatur unterhalb von 120 °C. Unter diesen Bedingungen macht Hartpapier über Jahrzehnte keine Probleme – genau deshalb finden Sie es in Anlagen, die seit den 1960er-Jahren laufen.
Die entscheidende Grenze: 550 mg Wasseraufnahme
Der wichtigste Wert im ganzen Datenblatt ist nicht die Festigkeit, sondern die Wasseraufnahme von 550 mg an der 3-mm-Probe. Diese eine Zahl sagt Ihnen, wo Hartpapier aufhört.
Zum Vergleich – alle Werte an derselben 3-mm-Probe: Hartgewebe HGW 2082 nimmt 249 mg auf, Glashartgewebe G10 nur 22 mg. Hartpapier liegt damit um ein Vielfaches über beiden.
Der Grund ist banal: Zellulose ist nichts anderes als Papier, und Papier nimmt Feuchtigkeit auf. Das Phenolharz bremst das, verhindern kann es das nicht. Aufgenommene Feuchtigkeit verschlechtert die Isoliereigenschaften, lässt die Platte quellen und kann bei Frost-Tau-Wechseln zur Delamination führen – die Lagen lösen sich voneinander.
Faustregel: Wird das Bauteil nass, feucht oder betaut oder steht es im Freien, ist Hartpapier der falsche Werkstoff. Dann gehört dort Glashartgewebe hin – mit 22 mg Wasseraufnahme, einem Temperaturindex von 130 °C (G10) beziehungsweise 155 °C (G11) und einer Kriechstromfestigkeit CTI von 200 bei G10 statt 100.
Die zweite Grenze ist die Temperatur: Temperaturindex 120 °C. Das ist ein Dauerwert, kein kurzzeitiger Spitzenwert. Wer dauerhaft darüber liegt, braucht G10 (130 °C) oder G11 mit 155 °C.
Und die dritte: CTI 100. Bei hohen Spannungen in Verbindung mit Verschmutzung oder Kondensat ist die Kriechstromfestigkeit von Hartpapier bescheiden. Für Niederspannung im sauberen Schaltschrank ist das unkritisch, für anspruchsvolle Isolationsstrecken nicht.
Hartpapier ist keine Leiterplatte – der Unterschied zu FR-4
Die Suchanfrage „Hartpapier Platine“ führt zuverlässig zu einem Missverständnis, mit dem wir hier aufräumen wollen.
Historisch waren die ersten einfachen Leiterplatten tatsächlich kupferkaschiertes Hartpapier: eine Phenolpapierplatte mit aufkaschierter Kupferfolie, in der NEMA-Systematik als FR-1 und FR-2 geführt – Leiterplattenbasismaterialien, die wir nicht im Programm haben. Diese Platinen kennt jeder, der schon einmal ein altes Radio, ein Netzteil oder ein Stück Unterhaltungselektronik geöffnet hat: braun, leicht durchscheinend, beim Löten riechen sie charakteristisch, und die Leiterbahnen lösen sich bei zu viel Hitze gern vom Trägermaterial. Für einseitige Leiterplatten war das jahrzehntelang der Standard.
Heute ist diese Rolle vollständig an FR-4 übergegangen – Glasgewebe mit Epoxidharz. FR-4 ist der Standardwerkstoff für Leiterplatten, weil es mechanisch stabiler, thermisch belastbarer und deutlich feuchteunempfindlicher ist und zusätzlich nach UL 94 V-0 selbstverlöscht. Den ausführlichen Vergleich der Glashartgewebe finden Sie im Beitrag FR-4, G10 und G11 – worin liegt der Unterschied.
Hartpapier im Vergleich zu Hartgewebe und Glashartgewebe
Die folgende Tabelle stellt die vier Typen gegenüber, für die wir vollständige Datenblätter führen. Sie zeigt sauber, wofür man beim Wechsel auf einen höherwertigen Werkstoff tatsächlich bezahlt.
| Kennwert | Hartpapier HP 2061 | Hartgewebe HGW 2082 | G10 (HGW 2372) | G11 155 °C (HGW 2372.4) |
|---|---|---|---|---|
| DIN EN / IEC 60893 | PF CP 201 | PF CC 201 | EP GC 201 | EP GC 203 |
| NEMA | X / XP | C | G-10 | G-11 |
| Verstärkung | Papier | Baumwollgewebe | Glasgewebe | Glasgewebe |
| Harz | Phenol | Phenol | Epoxid | Epoxid |
| Biegefestigkeit senkrecht (20 °C) | 135 MPa | 100 MPa | 340 MPa | 340 MPa |
| Biege-E-Modul | 7 × 10³ MPa | 7 × 10³ MPa | 24 × 10³ MPa | 24 × 10³ MPa |
| Zugfestigkeit | 120 MPa | 80 MPa | 300 MPa | 300 MPa |
| Druckfestigkeit senkrecht | 300 MPa | geben wir nicht an | 350 MPa | 350 MPa |
| Scherfestigkeit parallel | 10 MPa | 25 MPa | 30 MPa | 30 MPa |
| Schlagzähigkeit nach Charpy, parallel | geben wir nicht an | 8,8 kJ/m² | 33 kJ/m² | 33 kJ/m² |
| Kriechstromfestigkeit CTI | 100 | 100 | 200 | 180 |
| Temperaturindex TI | 120 °C | 120 °C | 130 °C | 155 °C |
| Wasseraufnahme (3 mm) | 550 mg | 249 mg | 22 mg | 22 mg |
| Dichte | 1,4 g/cm³ | 1,4 g/cm³ | 1,9 g/cm³ | 1,9 g/cm³ |
Zwei Punkte springen ins Auge. Erstens: Hartpapier ist in der Biege- und Zugfestigkeit sogar besser als Hartgewebe (135 gegen 100 MPa, 120 gegen 80 MPa). Hartgewebe kauft man nicht wegen dieser Werte, sondern wegen der Zähigkeit und der Scherfestigkeit von 25 MPa gegenüber nur 10 MPa bei Hartpapier – überall dort, wo Zahnräder, Gewinde oder Stoßbelastungen ins Spiel kommen. Zweitens: Beim Sprung auf Glashartgewebe zahlen Sie vor allem für Feuchtebeständigkeit, Temperatur und Kriechstromfestigkeit, nicht nur für Festigkeit.
Entscheidungshilfe
Hartpapier bearbeiten und schneiden
Hartpapier ist der angenehmste Werkstoff dieser Familie in der Bearbeitung. Es enthält keine Glasfaser, ist also nicht abrasiv – Ihre Werkzeuge halten ein Vielfaches länger als bei G10 oder FR-4. Sägen, Drehen, Fräsen und Bohren funktionieren mit normalen Metall- oder Holzbearbeitungswerkzeugen.
Was in der Praxis hilft
- Sägen: Kreissägeblatt mit feiner Verzahnung, zügiger und gleichmäßiger Vorschub. Zu langsam heißt Wärmestau und angebrannte Kanten.
- Bohren: scharfe HSS-Bohrer mit einem Spanwinkel wie für Kunststoff. Beim Durchbruch unbedingt unterlegen – sonst bricht die Austrittsseite aus und die letzten Lagen delaminieren.
- Fräsen und Drehen: problemlos, das Material zerspant sauber und neigt kaum zum Ausbrechen.
- Absaugung: Phenolpapier erzeugt feinen, trockenen Staub. Absaugung und Staubmaske gehören dazu – nicht weil der Staub aggressiv wäre, sondern weil er sehr fein ist.
- Kanten: nach dem Zuschnitt leicht brechen. Scharfe Schnittkanten sind die Stellen, an denen später Feuchtigkeit eindringt.
Wenn Sie nur wenige Teile brauchen oder keine Staubbelastung in der Werkstatt wollen, ist der Zuschnitt nach Maß die einfachere Lösung: Wir schneiden aus der Platte auf Ihr Fertigmaß mit einer Toleranz von ±1 mm, üblicherweise innerhalb von 2 bis 3 Werktagen. Für komplexere Geometrien fertigen wir nach Zeichnung (CAD oder PDF) mit einer CNC-Genauigkeit von ±0,1 mm – ab einem Stück, ohne Mindestabnahme. Zur Verfügung stehen Sägen, Drehen, Fräsen, Bohren und Wasserstrahlschneiden. Wie solche Fertigteile aus Hartpapier, Hartgewebe und Glashartgewebe in der Praxis aussehen, zeigen wir in einem eigenen Beitrag.
Formate, Dicken und Toleranzen
Plattendicken liefern wir von 0,2 bis 100 mm, nach Absprache bis 200 mm.
Lagerformate Hartpapier (Angaben in mm): 250 × 250, 500 × 500, 1025 × 1050, 1050 × 2050 und 1300 × 2800. Dieselben Formate führen wir auch für Hartgewebe.
Toleranzen: Breite und Länge der Platten ±50 mm. Die Dickentoleranzen richten sich nach der IEC-Norm und hängen von Werkstoff und Dicke ab – bei Hartpapier PF CP in 5 mm sind es beispielsweise ±0,34 mm. Die vollständige Tabelle finden Sie auf der verlinkten Seite.
Lieferzeit: Lagerplatten und Stäbe versenden wir in 1 bis 3 Werktagen. Rohre mit Innendurchmessern von 6 bis 600 mm sind grundsätzlich Auftragsfertigung und nicht ab Lager verfügbar – rechnen Sie hier mit 5 bis 10 Werktagen. Stäbe führen wir in Hartgewebe, Glashartgewebe G10, G11 (155 °C), G11 (180 °C) und FR-4, in Durchmessern von 5 bis 200 mm und Längen bis 1000 mm bei einer Längentoleranz von ±10 mm.
Häufig gestellte Fragen
Ist Pertinax dasselbe wie Hartpapier HP 2061?
In der Praxis ja. Pertinax ist ein historischer Handelsname, der heute umgangssprachlich für Hartpapier allgemein verwendet wird. Wer Pertinaxplatten oder einen Pertinax-Zuschnitt bestellt, bekommt bei uns Hartpapier nach PF CP 201 / HP 2061. Dasselbe gilt für die alten Namen Turbonit, Carta, Wahnerit, Repelit, Haefelyt, Preßzell und Krüpax.
Welche Dichte und welche Temperaturbeständigkeit hat Pertinax?
Die Dichte beträgt 1,4 g/cm³, der Temperaturindex TI liegt bei 120 °C. Der TI ist ein Dauerwert für den Betrieb, kein Wert für kurzzeitige Spitzen. Wer dauerhaft darüber liegt, sollte auf Glashartgewebe wechseln.
Kann ich Hartpapier im Freien oder in feuchten Räumen einsetzen?
Davon raten wir ab. Mit 550 mg Wasseraufnahme an der 3-mm-Probe ist Hartpapier der feuchteempfindlichste Werkstoff unseres Programms – G10 liegt bei 22 mg. Feuchtigkeit verschlechtert die Isolationswirkung und kann zum Aufquellen und Delaminieren führen. Für feuchte oder wechselnde Umgebungen gehört Glashartgewebe hin.
Lässt sich Hartpapier gut schneiden und bohren?
Ja, besser als jedes Glashartgewebe, weil keine abrasive Glasfaser enthalten ist. Feine Verzahnung beim Sägen, scharfe HSS-Bohrer, beim Durchbohren unterlegen und den Staub absaugen. Alternativ übernehmen wir den Zuschnitt nach Maß mit ±1 mm oder die Fertigung nach Zeichnung mit ±0,1 mm ab einem Stück.
Liefern Sie kupferkaschiertes Hartpapier für Leiterplatten?
Nein. Unser HP 2061 ist reines Isoliermaterial ohne Kupferauflage. Für Leiterplatten ist heute ohnehin FR-4 der Standard, weil es nach UL 94 V-0 selbstverlöschend ist. Hartpapier setzen wir als Isolier-, Montage- und Trennplatte ein, nicht als Leiterplattenbasis.
Wo finde ich Preise und aktuelle Verfügbarkeit?
Alle Abmessungen mit tagesaktuellem Preis stehen in der Kategorie Hartpapier-Platten. Technische Unterlagen finden Sie unter Datenblätter und Materialinformationen. Bei Sonderdicken, Sonderformaten oder einer unklaren Werkstoffwahl schreiben Sie uns über das Anfrageformular oder direkt über Kontakt – wir gehen die Anwendung mit Ihnen durch.